Neu bei Instagram: Kontoinformationen

Instagram Kontoinformationen
Patrick Paas 29. Januar 2019

Instagram hat ein neues Feature erhalten, das wir bereits seit einigen Monaten von Facebook kennen: Kontoinformationen, bei Facebook bekannt als Info and Ads. Der Unterschied bei Instagram ist: Hier ist das Feature (vorerst?) nur für einige besonders reichweitenstarke Accounts freigeschaltet. Schauen wir uns die neuen Kontoinformationen im Detail an.

So gelangen Sie zu den neuen Kontoinformationen

Man gelangt zu den neuen Kontoinformationen, indem man auf einen Account geht, dort rechts oben die drei Punkte antippt und im Menü »Infos zu diesem Konto« auswählt. In der englischsprachigen Version heißt der Menüpunkt »About This Account«. Dort sind alle Informationen die wir ab hier besprechen, übersichtlich gelistet.

Eine neue Funktion zur Spameinschränkung?

Die neuen Kontoinformationen sollen für mehr Transparenz sorgen und Spam-Accounts das Leben erschweren. Instagram schreibt dazu:

Wir zeigen dir Informationen zu Konten, die sehr viele Menschen erreichen oder auf Instagram werben, um diese Konten vor Nachahmung und unsere Community vor Spam zu schützen.

Das Feature selbst wurde bereits am 28. August 2018 von Instagram auf der hauseigenen Seite für Pressemitteilungen vorgestellt, dort heißt es, das Feature werde vorgestellt, damit »Menschen die Echtheit von Konten mit vielen Abonnenten auf Instagram bewerten können«. Allerdings ist man offensichtlich eher langsam darin, es allen Nutzerinnen und Nutzern – insbesondere außerhalb der Vereinigten Staaten – zur Verfügung zu stellen. Auch wenn die neuen Kontoinformationen mittlerweile grundsätzlich der Mehrzahl der Menschen mit Instagram-Account mittlerweile zur Verfügung stehen, genießen noch nicht alle die gleichen Features, wie wir weiter unten noch genauer sehen werden.

Welche Infos bieten die neuen Kontoinformationen?

Die neuen Kontoinformationen im Überblick: Beitrittsdatum, Land, Alte Benutzernamen, Aktive Werbeanzeigen und Konten mit gemeinsamen Abonnenten.

Zur Zeit gibt es fünf Informations-Häppchen, die Instagram bei diesen auserwählten Accounts anzeigt. Gehen wir sie der Reihe nach durch: 

Beitrittsdatum

Zum Beitrittsdatum schreibt Instagram, dass es deshalb relevant ist, weil sich dadurch häufig Spam-Accounts sehr gut von seriösen Accounts unterscheiden lassen, weil Letztere meistens schon länger bei Instagram sind. Diese Art von schnell (und immer wieder) aufploppenden, dann genauso schnell wieder verschwindenden Spam-Accounts kennen wir sicherlich alle und es ist grundsätzlich eine gute Sache, dass Instagram das Beitrittsdatum als Merkmal für Seriösität anzeigt (denn die Wahrscheinlichkeit, dass Spam-Accounts entdeckt und gelöscht werden, steigt natürlich mit fortschreitender Zeit), aber andererseits gibt es für seriöse, offizielle Accounts ja schon den blauen Haken, der ein Konto verifiziert, und da die Kontoinformationen ohnehin nur bei seriösen Accounts mit viel Reichweite angezeigt werden, kann man dadurch natürlich nicht herausfinden, ob ein Account im Zweifel nur Spam ist. Unabhängig vom (in seiner Hilfsmöglichkeit zweifelhaften) Spamschutz ist die Angabe des Beitrittsdatums aber durchaus dazu in der Lage, interessante Sachen herauszufinden: Der Instagram-Account von @instagram etwa existiert kürzer als der von @stefaniegiesinger, wer hätte das gedacht?

Land

Das angegebene Land ist keine hundertprozentig korrekte Angabe, sondern basiert – so Instagram – auf der Aktivität des Accounts. Was das genau heißt, wie Instagram zu seiner Schlussfolgerung kommt und wie zuverlässig die Angabe ist, lässt die Firma offen, aber im Allgemeinen soll es dazu führen, dass man feststellen kann, »ob der Standort in den Beiträgen des Kontos falsch dargestellt wird.« Vermutlich steht diese Angabe – wie so viele von Facebooks und Instagrams Änderungen in Richtung Transparenz in den vergangenen Jahren – im Zusammenhang mit der Einmischung in die US-Wahl 2016 durch osteuropäische Stellen. Dadurch, dass Instagram das wahrscheinliche Herkunftsland eines Accounts angibt, soll eine solche verdeckte Einmischung vermutlich verhindert werden, ansonsten sehe ich persönlich nicht viel Aussagekraft darin, ob eine Freundin ihre schönen Urlaubsbilder erst hochgeladen hat, als sie wieder zu Hause war, aber den Ort ihres Urlaub als Standort angibt. 

Aktive Werbeanzeigen

Unter »Aktive Anzeigen« können Sie auf einen Blick sehen, welche Anzeigen ein Account gerade schaltet.

Hinter dem Punkt »Aktive Werbeanzeigen« verbirgt sich eine wirklich grundlegende Neuerung, die auch für alle im Marketing relevant ist: Wir können sehen, welche Anzeigen die Konkurrenz gerade schaltet und müssen uns nicht zufällig darauf verlassen, ob wir diese Anzeigen selbst in unserem Feed sehen, weil die Konkurrenz uns als Teil der Zielgruppe ausgemacht hat. Falls Sie übrigens bei den Kontoinformationen eines Accounts den Punkt »Aktive Werbeanzeigen« nicht sehen, machen Sie sich keine Sorgen: Das bedeutet nicht, dass Sie dieses Feature nicht haben, sondern lediglich, dass der entsprechende Account aktuell keine Werbung schaltet.

Alte Benutzernamen

Die Information, ob ein Account früher einen anderen Benutzernamen hatte, könnte wirklich interessant sein, denn zumindest bei Facebook ist es durchaus eine gängige Masche von Spammern, erst durch Vorspiegelung falscher Tatsache eine große Reichweite für einen Account aufzubauen und ihn dann anschließend (unter anderem Namen) mit Spam-Inhalten zu versehen oder gar an Dritte zu verkaufen, wie die Seite dann mit Werbung überfluten, in der Hoffnung, dass die Menschen, die diesem (andersnamigen) Account zuvor gutgläubig gefolgt sind, den Schwindel nicht merken. In der Praxis ist die Aussagekraft zur Zeit aber noch nicht so sehr gegeben, da Instagram nur Änderungen ab September 2017 anzeigt. Ob ein Account zuvor seinen Namen geändert hat, lässt sich zumindest durch diese Angabe nicht feststellen. Positiv ist allerdings zu vermerken, dass diese Information relevanter wird und Spammern das Leben schwieriger macht, je mehr Zeit vergeht.

Konten mit gemeinsamen Abonnenten

Bei einigen Accounts kann man bereits jetzt sehen, welche ähnlichen Accounts es gibt – also solche mit gemeinsamen Followern.

Seriösität drückt sich auch dadurch aus, ob die Follower eines Accounts anderen seriöse Konten folgen, deshalb klingt die Angabe, mit welchen anderen Accounts ein Konto viele gemeinsame Follower hat, erst einmal sinnvoll. Es steht somit ergänzend zu der altbekannten Liste aller Follower, die ja auch aussagekräftig sein kann, wenn einem Account viele bekannte und/oder verifizierte Accounts folgen. Zusätzlich kann die Anzeige von ähnlichen Konten dabei helfen, Accounts zu finden, die man vielleicht auch interessant findet und denen man folgen möchte. In der Praxis aber haben wir bei unserer Recherche nur wenige Konten gefunden, die bei den Konten mit gemeinsamen Abonnenten tatsächlichen Inhalt vorweisen konnten, denn fast überall steht die Bemerkung: »Es sind keine öffentlichen Konten vorhanden, die genügend Abonnenten mit [Accountname] gemeinsam haben.« Einige wenige Ausnahmen haben wir aber dann doch gefunden: Der Account @mercedesbenz etwa teilt 54 Prozent seiner Follower mit @bmw. Das ist schon ein erstaunlicher Wert, oder? Ob diese Funktion mehr ist als nur eine kleine Spielerei, muss sich aber erst noch beweisen.

Was bedeuten die neuen Kontoinformationen für Ihr Marketing?

Vier der fünf Neuerungen bei den Kontoinformationen sind für Ihr Marketing wahrscheinlich eher von geringerer Bedeutung bzw. besitzen nur eingeschränkte Aussagekraft. Vielleicht können Sie jetzt schnell sehen, wie lange Ihre Mitbewerberinnen und Mitbewerber schon im Instagram-Geschäft sind, aber theoretisch wäre das annäherungsweise schon beim Blick auf das erste hochgeladene Foto möglich gewesen. Doch der Punkt »Aktive Werbeanzeigen« ist wirklich interessant: Endlich können Sie den Markt eingehend und strategisch beobachten und so viel besser als bisher Werbetrends ausmachen und dem Wettbewerb den entscheidenden Schritt voraus sein.

Was müssen Sie jetzt beachten?

Ganz generell gilt natürlich wie bisher: Seien Sie seriös im Marketing. Spielen Sie kein falsches Spiel und geben Sie keine falschen Versprechungen ab. Mit der neuen Funktion »Aktive Werbeanzeigen« wird diese Regel jedoch noch einmal wichtiger als bisher, denn während unseriöses Marketing bisher noch darauf hoffen konnte, durch geschicktes Einschränken der Zielgruppe (und mit dem entsprechenden Quentchen dreisten Glücks bei der Kontrolle durch Instagram) nicht aufzufallen, gilt nun erst recht: Es wird rauskommen. Das ist ein Segen für das seriöse, nachhaltige Marketing, denn Ihre Konkurrenz kann genauso Ihre aktiven Ads sehen wie Sie die Ihrer Konkurrenz. Behalten Sie also bei jeder Anzeige im Kopf, dass sowohl Ihre Konkurrenz als auch interessierte Dritte detailliert sehen können, welche Werbung Sie schalten.

Zusammenfassung und Einschätzung

Insgesamt sind die neuen Kontoinformationen, die Instagram jetzt nach und nach für alle freischaltet, interessante und wohlüberlegte Ergänzungen im ständigen Versuch, Spammern Einhalt zu gebieten und den Nutzerinnen und Nutzern wertvolle Informationen an die Hand zu geben, anhand derer sie die Seriösität eines Accounts einschätzen können. Wie viele Menschen diese Funktion jedoch tatsächlich nutzen – und dann auch so, wie Instagram es sich gedacht hat, nämlich zur Spamerkennung –, bleibt abzuwarten, denn neben allen anderen Einwänden, die ich vorgebracht habe, sind die neuen Kontoinformationen vielleicht auch etwas zu versteckt, um wirklich ein Massenpublikum anzusprechen (oder zu interessieren). Sie wird wohl eher für Medienleute sowie Journalistinnen und Journalisten von Relevanz sein. Vorerst sind diese und weitere Bemühungen hinsichtlich mehr Transparenz aber durchaus interessante Schritte. Ob sie auch im alltäglichen Gebrauch von Instagram zu merklich weniger Spam führen kann, ist aber fraglich.

Für die Marketingbranche dagegen kann der Punkt »Aktive Werbeanzeigen« gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: Unseriöse Werbetreibende werden es viel schwerer haben als bisher. Das kann eine gute Chance für die ganze Branche sein, transparenter zu werden.