Neu bei LinkedIn: Beitrags-Reaktionen – mehr als nur ein Like

LinkedIn Reactions
Patrick Paas 15. April 2019

Instagram hat ein Herz, Twitter hatte früher einen Stern (mittlerweile aber ebenfalls ein Herz) und Facebooks Like-Button ist so ikonisch, dass er in Sachen Marken-Wiedererkennbarkeit sogar mit dem weißen »f« auf blauem Grund konkurriert.

Facebooks Like-Button findet sich sogar am Eingangsschild zum Facebook-Firmensitz. »Facebook Headquarters« von Minette Lontsie, lizenziert unter CC BY-SA 4.0.

Die Art, wie Nutzerinnen und Nutzer auf Beiträge in ihrem liebsten Social Network reagieren können, ist eines der Distinktionsmerkmale zwischen den einzelnen Angeboten. Nur LinkedIn hatte nie ein derartiges Symbol. Natürlich: auch LinkedIn hat einen Like-Button, der – wie so vieles – eher wie eine Kopie von Facebook wirkt, aber nie eine ähnliche Bekanntheit erreicht hat und – dies nur eine subjektive Meinung – auf den ersten Blick eher wie ein nach rechts schauender Hase wirkt als wie ein nach oben gestreckter Daumen. Es ist ein Symbol, klar, aber es hat keinen Symbolwert, der – pars pro toto – die Wiedererkennbarkeit des Angebots und die Identifizierung mit dem Angebot erhöht.

Doch das soll sich nun ändern. Was auf den ersten Blick wie ein weiterer Abklatsch vom blauen Riesen aus Menlo Park erscheint, könnte LinkedIn endlich die gewünschte Alleinstellung bescheren. Die Lösung: insgesamt fünf verschiedene Reaktionsmöglichkeiten.

Das sind die neuen Reaktionsmöglichkeiten

Gehen wir die Reaktionen der Reihe nach durch und betrachten, für welche Zwecke sie eingesetzt werden können.

Gefällt mir (Like)

Der Like-Button ist die altbekannte Standardreaktion bei LinkedIn. Sie steht laut des Unternehmens in der Logik der neuen Reaktionsmöglichkeiten neben einer allgemeinen Befürwortung des Inhalts nun auch für die Anerkennung einer im Post erwähnten Leistung. Der Like-Button wird durch eine Hand mit nach oben gerecktem Daumen gekennzeichnet und ist in Blautönen gehalten.

Celebrate

Wenn Sie Ihrem Kontakt dafür gratulieren möchten, dass sie oder er eine Beförderung erhalten oder einen erfolgreichen Vortrag gehalten hat, ist die Celebrate-Reaktion bestens geeignet. Es ließ sich noch nicht herausfinden, wie die Reaktion auf Deutsch heißen wird; die direkte Übersetzung »feiern« zumindest klingt etwas zu informell. Optisch wird diese Reaktion durch zwei grüne Hände repräsentiert, die gegeneinander klatschen.

Love

Wenn es eher um »weichere«, aber dennoch professionelle, arbeitsbezogene Themen geht, eignet sich die Love-Reaktion ausgezeichnet. Im positiven Sinn kann Love für Dankbarkeit oder Begeisterung stehen und soll etwa verwendet werden, wenn der Post, auf den Sie reagieren, davon handelt, dass das Kind einer Kollegin oder eines Kollegen sie oder ihn auf der Arbeit besucht hat. Sie können durch diese Reaktion aber auch Mitgefühl ausdrücken, zum Beispiel, wenn Ihr Kontakt geteilt hat, dass sie oder er entlassen wurde. Um diese Reaktion zu verdeutlichen, hat LinkedIn auf ein wohl universell verständliches rotes Herzsymbol zurückgegriffen.

Insightful

Wenn Sie auf LinkedIn Menschen folgen, die häufig kluge Gedanken teilen, die Sie weiterbringen, werden Sie die Insightful-Reaktion lieben, denn dadurch können Sie Ihrem Kontakt auf einfache Weise vermitteln, dass Sie etwas Neues gelernt haben und sich dafür bedanken möchten. Insightful lässt sich wohl am besten mit »scharfsinnig« übersetzen, aber auch hier wird sich LinkedIn im Deutschen wohl ein anderes Wort überlegen (müssen), das besser zur eigentlichen Intention passt, vielleicht eher etwas in Richtung »inspirierend« oder »nützlich« oder – um das orange-gelbe Lampensymbol, durch das diese Reaktion metaphorisch gekennzeichnet ist, wörtlich zu nehmen: »erleuchtend«.

Curious

Der Curious-Button schließlich soll Neugierde, Nachdenklichkeit oder Faszination ausdrücken. In der Praxis wird die Unterscheidung zum Insightful-Button recht klar sein, aber in der Theorie sind sich die Reaktionen recht ähnlich: Mit beiden könnte etwa ein interessanter Gedanke bedacht werden, auf den Sie selbst noch nicht gekommen sind. Doch während Insightful tendenziell in Richtung Erleuchtung geht, drückt die Curious-Reaktion eher aus, dass Sie über das Thema eines Posts einmal nachdenken müssen (um dann vielleicht in Zukunft die Erleuchtung zu haben). Zum einzigen Mal bei den LinkedIn-Reaktionen wird hier ein stilisiertes, lilafarbenes Gesicht eingesetzt, das den Mund etwas schürzt, eine Augenbraue nach oben zieht und sich eine Hand am Kinn reibt.

Wie unterscheiden sich die LinkedIn-Reaktionen von Facebook?

Diverse Reaktionsmöglichkeiten, darunter Like und Love, die auswählbar sind, indem die Nutzerinnen und Nutzer längere Zeit mit der Maus über das Like-Symbol fahren bzw. in der App länger auf das Like-Symbol tippen, woraufhin die übrigen Reaktionen ausfahren … das ist doch schon von Facebook bekannt, oder? Ja und nein. Natürlich ist das grundsätzliche System kein neues, aber die Reaktionen selbst bieten durchaus Raum zur Unterscheidung, denn sie sind eindeutig auf den Business-Kontext zugeschnitten.

Schon optisch unterscheiden sich die Reaktionen sehr: Bei Facebook dominieren (noch dazu animierte) Gesichter das Reaktionen-Bild – vier von sechs Gesichter-Reaktionen werden nur noch ergänzt durch Like und Love. Das sind auch die einzigen beiden Reaktionen, die es deckungsgleich bei LinkedIn gibt. Von den anderen drei wird nur eines durch ein Gesicht repräsentiert. Außerdem hat Facebook mit Sad und Angry auch zwei eindeutig negativ konnotierte Reaktionen. Zwar möchte das Unternehmen zum Ärger vieler Nutzerinnen und Nutzer weiterhin keinen Dislike-Button bereitstellen, aber Möglichkeiten, seinem Ärger oder seiner Trauer über den Inhalt eines Posts Ausdruck zu verleihen, gibt es eindeutig. Bei LinkedIn dagegen gibt es ausschließlich positive, motivierende Reaktionsmöglichkeiten, die jedoch negative Teilaspekte haben können, etwa das Love-Symbol, das auch Mitgefühl über eine traurige Situation ausdrücken kann.

Auch das Farbenspiel ist bei LinkedIn deutlich abweichend von Facebook: Die Standardfarbe bei Facebook ist gelb, nämlich die etablierte Gesichtsfarbe von Smileys seit Beginn dieser grafischen Repräsentation von Gesichtsausdrücken. Abweichungen sind wieder der Like-und der Love-Button, mit Einschränkungen auch die Angry-Reaktion, die eher eine orange-rötliche Gesichtsfarbe annimmt. Bei LinkedIn dagegen hat jede Reaktion ein klar definiertes und auf den ersten Blick von den übrigen Reaktionen unterscheidbares Farbschema: blau, grün, rot, orange-gelb und violett.

Welche Auswirkungen haben Reaktionen auf LinkedIn-Marketing?

Interessant ist LinkedIns Argumentation für das Hinzufügen der vier neuen Reaktionen: Während Facebook bei der eigenen Erweiterung der Reaktionsmöglichkeiten die Reagierenden in den Vordergrund gestellt hat, die etwa durch ein wütendes oder ein trauriges Emoji granulare Optionen der Reaktion zur Verfügung bekamen, wird in den offiziellen Verlautbarungen von LinkedIn mindestens gleichwertig auf die besseren Auswertungsmöglichkeiten der Verfasserinnen und Verfasser eines Posts hingewiesen: Wieso genau hat meinem Kontakt mein Text gefallen? Das ergibt aus Sicht eines professionellen Netzwerks durchaus Sinn: Wer bei LinkedIn Inhalte verfasst oder teilt, möchte sich dadurch mehr noch als bei anderen Netzwerken als Marke aufbauen, der andere Menschen vertrauen und zu der sie aus bestimmten Gründen kommen. Zu wissen, aus welchem Grund jemandem mein Post gefällt, hilft mir dabei, in Zukunft den Fokus meiner Posts klarer zu definieren und damit noch hilfreicher für die Menschen, die mir folgen, zu sein. Neben Privatpersonen, die sich auf LinkedIn als Marke darstellen, hilft das insbesondere Firmen, die besser verstehen können, welche Empfindungen ihre Kundinnen und Kunden haben, wenn sie mit einem Produkt bzw. der Bewerbung eines Produkts interagieren.

Das hat auch Auswirkungen auf die Werbung bei LinkedIn: Werbetreibende bei LinkedIn müssen sich noch genauer als vorher überlegen, welche Emotionen und Reaktionen sie mit ihrer Werbung hervorrufen möchten. Ein bereits vorhandenes einheitliches Reaktionsbild vereinheitlicht wiederum die Erwartung, mit der neu erreichte Kontakte an eine Werbung gehen, denn die Reaktionen sind schneller erfasst als der eigentliche Inhalt einer Anzeige. Wenn es also bereits viele Insightful-Reaktionen gibt, erwarten die Nutzerinnen und Nutzer, dass sie etwas Neues lernen. Diese Erwartung sollte nicht enttäuscht werden, sonst speichern sie Ihre Marke negativ ab. Anders herum kann es auch negativ aufgefasst werden, wenn es ein wirres Durcheinander an Reaktionen auf Ihre Werbung gibt. Anscheinend war Ihr Wording, Ihr Video, Ihr Bild oder Ihr CTA nicht eindeutig genug; die Angesprochenen wissen nicht genau, was sie von dem halten sollen, was sie sehen.

Es heißt also: Bereiten Sie Ihre Kampagnen gut auf die neuen Reaktionen vor, wenn sie in den kommenden Monaten weltweit nach und nach freigeschaltet werden.